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Praktischer Syllogismus

Kurz erklärt

  • Deskriptiv: beschreibt, was ist (kein Sollen).
  • Normativ: fordert oder bewertet (soll, darf, muss, gut/schlecht).
  • Ein praktischer Syllogismus schließt aus mindestens einer normativen und einer deskriptiven Prämisse auf eine normative Conclusio.
  • Sein-Sollen-Fehlschluss: Wenn man aus rein deskriptiven Sätzen einen normativen Satz folgert, ist das ein Sein-Sollen-Fehlschluss.

David Hume (A Treatise of Human Nature, III.I.I)

In every system of morality, which I have hitherto met with, I have always remark’d, that the author proceeds for some time in the ordinary way of reasoning, and establishes the being of a God, or makes observations concerning human affairs; when of a sudden I am surpriz’d to find, that instead of the usual copulations of propositions, is, and is not, I meet with no proposition that is not connected with an ought, or an ought not. This change is imperceptible; but is, however, of the last consequence. For as this ought, or ought not, expresses some new relation or affirmation, ’tis necessary that it shou’d be observ’d and explain’d; and at the same time that a reason should be given, for what seems altogether inconceivable, how this new relation can be a deduction from others, which are entirely different from it.

In jedem Moralsystem, das ich bisher kennengelernt habe, bemerke ich stets, dass der Autor eine Weile in der üblichen Weise des Denkens fortfährt und etwa das Dasein Gottes begründet oder Beobachtungen über menschliche Angelegenheiten anstellt; plötzlich überrascht es mich dann, dass ich statt der üblichen Verbindungen von Sätzen mit ist und ist nicht keinen Satz mehr finde, der nicht mit einem soll oder soll nicht verknüpft wäre. Dieser Wechsel geschieht unmerklich, ist aber von größter Tragweite. Denn da dieses Soll oder Soll nicht eine neue Beziehung oder Behauptung ausdrückt, muss es beobachtet und erklärt werden; und zugleich muss ein Grund angegeben werden für etwas, was ganz unbegreiflich scheint: wie diese neue Beziehung aus anderen abgeleitet werden kann, die von ihr völlig verschieden sind.

Aufgabe 1: Ordne zu

Welcher Fall passt zu welcher Einschätzung?

Argument Einschätzung
P1 Wer lügt, sollte dafür belohnt werden.
P2 Tom hat gelogen.
K Tom sollte dafür belohnt werden.
Sein-Sollen-Fehlschluss
P1 Mörder sollten bestraft werden.
P2 Frau Müller hat den Tod von Herrn Müller verursacht.
K Frau Müller sollte bestraft werden.
Gültiger praktischer Syllogismus
P1 Eine hohe Impfquote ermöglicht wirtschaftliche Normalität.
K Man sollte sich impfen lassen.
Ungültig. Ausweitung des Begriffs
P1 Man sollte niemanden berauben.
P2 Manche zahlen Steuern widerwillig.
K Steuern sollten abgeschafft werden.
Ungültig. Fehlende dritte Prämisse

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Aufgabe 2: Fehler finden und beheben

P1 Mörder sollten bestraft werden.

P2 Frau Müller hat den Tod von Herrn Müller verursacht.

K Frau Müller sollte bestraft werden.

a) Warum ist dieses Argument nicht gültig?

b) Formuliere nur P2 so um, dass ein gültiges Argument entsteht.

c) Formuliere nur P1 so um, dass ein gültiges Argument entsteht.

Aufgabe 3: Erörtern – gültig vs. überzeugend

P1 Man sollte niemanden berauben.

P2 Manch deutscher Bürger zahlt Steuern nur widerwillig.

K Steuern sollten in Deutschland abgeschafft werden.

a) Ergänze fehlende Prämissen (P3, evtl. mehr) damit der Syllogismus gültig wird.

b) Ist das Argument für dich gut oder schlecht (Wertigkeit)? Beziehe dich auf deine Werte.

Lösung

Aufgabe 1: Zuordnung
Argument Einschätzung
Tom / Lügen Gültiger praktischer Syllogismus
Frau Müller Ungültig. Ausweitung des Begriffs
Impfung Sein-Sollen-Fehlschluss
Steuern Ungültig. Fehlende dritte Prämisse
Aufgabe 2: Fehler finden und beheben

a) „Tod verursacht“ ist nicht dasselbe wie „Mord“. P2 erfüllt den Begriff in P1 nicht.

b) z. B. P2: Frau Müller hat Herrn Müller ermordet.

c) z. B. P1: Wer den Tod eines Menschen verursacht, sollte bestraft werden. (Dann kann man über die Angemessenheit von P1 streiten – logisch passt es.)

Aufgabe 3: Erörtern – gültig vs. überzeugend

a) So nicht gültig: Aus „nicht berauben“ und „widerwillig Steuern zahlen“ folgt nicht „Steuern abschaffen“. Man bräuchte z. B. Prämissen wie „Steuern sind Raub“ und „was Raub ist, soll abgeschafft werden“ – die sind selbst strittig.

b) Persönliche Bewertung: hängt von Werten ab (Eigentum, Gemeinwohl, Fairness, …). Hier geht es um Wertigkeit, nicht nur um logische Gültigkeit.